Laufen Innovationen der Paketdienste ins Leere?

(Meine Antwort auf den angeregt diskutierten Post zum Thema DHL PaketButler von Jochen Krisch bei Exciting Commerce)

DHL hat in den letzten Monaten mehrfach Werbespots und andere Marketingmaßnahmen für Produkte verbreitet, die sich an den Paketempfänger richten. Kaum ist die Medienwelle zum Thema Paketkasten abgeebbt, da bringt man zusammen mit Zalando und der Telekom den PaketButler an den Start.

Sehr schön!

Jede Initiative, die es mir als Käufer im Onlinehandel leichter macht, Pakete komfortabel und im ersten Versuch zu bekommen, oder Retouren einfacher auf den Rückweg zum Händler zu bringen, ist mehr als willkommen. Dieser Aspekt des Distanzhandels, ob nun Online oder nicht, ist noch immer nicht zufriedenstellend gelöst. Und wenn ich mir die Wachstumsprognosen für den Onlinehandel so anschaue, dann frage ich mich, wie lange das noch gutgehen soll.

Insofern: Hut ab, DHL, ihr macht wenigstens den Eindruck, als wolltet ihr etwas Neues erfinden – Hermes, DPD & Co. fallen öffentlich eher nicht mit großen Innovationen auf.

Warum ist das so? Warum wirkt der Marktführer innovativer als die Wettbewerber, die sich doch eigentlich viel mehr anstrengen müssten?

Man könnte auch noch etwas tiefer bohren und fragen, warum ein Paketdienst wie DHL oder Hermes überhaupt damit werben sollte, wie leicht und komfortabel es sei, ihre Pakete in Empfang zu nehmen.

Sind Paketempfänger überhaupt die richtige Zielgruppe für Innovationen?

Wenn ich im Internet einkaufe, dann kann ich nur sehr selten selbst in die Entscheidung eingreifen, wer mir das Paket zustellen wird. Diese Entscheidung trifft der Händler, nicht der Käufer!

Und er trifft sie nicht, in dem er sich überlegt, welcher Paketdienst für diesen Kunden und dieses Paket den besten Komfort bietet. Er trifft sie pauschal für alle seine Sendungen, normalerweise basierend auf dem Preis und der empfundenen Qualität des Angebots. In Deutschland läuft das in den meisten Fällen auf die Frage hinaus: gibt es einen hinreichenden Grund, nicht mit DHL zu versenden?

Im stetig wachsenden Segment Onlinehandel entscheidet also der Händler darüber, wer seine Pakete zustellt. Damit ist aber der Händler Kunde des Paketdienstes, und nicht der Besteller. Warum dann also Werbung auf Personen ausrichten, die gar nicht zur Zielgruppe gehören?

Eine Interpretation ist, dass durch diese Argumentation die sogenannten Innovationen als reine Luftnummern entlarvt werden, die lediglich dazu dienen, eine “Story” erzählen zu können. DHL kann sich das finanziell leisten, die Wettbewerber konzentrieren sich vielleicht lieber auf den Vertrieb.

Ich gehe eher davon aus, dass DHL als klarer Marktführer in Deutschland damit den Eindruck verfestigen möchte, dass ein Händler es sich nicht erlauben kann, ausschließlich mit anderen Paketdiensten zu versenden. Denn wer z.B. nur mit Hermes verschickt, der kann Kunden mit DHL Paketkasten oder PaketButler eben nicht mit dem selben Service beliefern, wie DHL es kann. Diese Situation kennen wir ja schon von der DHL Packstation.

Der Kunde sollte entscheiden können, wer ihn beliefert

Damit in Zukunft Innovationen der Paketdienste nicht mehr ins Leere laufen, hier mein Aufruf:Liebe Onlinehändler, erlaubt es uns als Kunden, selbst auszuwählen, welcher Paketdienst uns beliefern soll. Dann kann der Wettbewerb der Paketdienste endlich auf Basis der “Empfangsqualität” geführt werden, und nicht mehr nur über Portokosten.

Ja, das wird vermutlich Eure Versandkosten erhöhen.

Wir, Eure Kunden, werden es Euch danken – und viel lieber bei Euch einkaufen!

Solange aber weiterhin der Händler entscheidet, kann ich mit den Innovationen der Paketdienste nichts anfangen.

Schule und Erziehung neu denken?

Nicht nur für Eltern interessant – machen wir bei der Erziehung und insbesondere bei der Schulausbildung unserer Kinder etwas grundsätzlich falsch?

Sir Ken Robinson führt uns hier vor Augen, wie sehr unsere Vorstellungen von Schule und Erziehung von den Idealen der industriellen Revolution geprägt sind. Ich stelle mir da die Frage, ob dies noch die richtige Grundlage ist, um unsere Kinder auf das vorzubereiten, was sie in der von Internet und Technologie geprägten Zukunft erwartet.

Nicht, dass ich mir heute schon wirklich vorstellen könnte, wie diese Zukunft denn aussehen wird. Mein liebstes Beispiel aus dem eigenen Leben: als ich mit dem Informatikstudium anfing, gab es i. W. noch kein Internet. Heute könnte ich mir meine Freizeit kaum noch ohne Browser & Co. vorstellen – und meinen Beruf gäbe es ohne das Internet eigentlich gar nicht.

Und nein, ich bin noch nicht im Rentenalter…

 

PS: Erster Blogpost, und gleich ein Erziehungsthema? Ich habe vor, hier ein ziemlich breites Spektrum an Themen zu kommentieren. Das wird sich nicht auf E-Commerce, Technologie, Software-Entwicklung beschränken, sondern auch “private” Themen einschließen. Was mich eigentlich am meisten bewegt sind Themen, die genau “dazwischen” liegen. Wie wirken sich aktuelle technologische Entwicklungen auf unsere Gesellschaft und unser tägliches Miteinander aus? Wie wird sich das in den kommenden 10, 25 oder 50 Jahren entwickeln?